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Am 7. März leitete seine letzte Generalversammlung als Oberschützenmeister, also erster Vorsitzender, des Schützenvereins (SV) Edesheim.
Nach 36 Jahren an der Spitze des 150 Mitglieder zählenden Clubs übergab er das Amt an Alexander Döringer. Die Versammlung ernannte Wadlinger zum Ehrenoberschützenmeister.„Ich war unheimlich gerne Vorstand, das habe ich lieber gemacht als alle anderen Posten, die es in einem Verein gibt“, stellte er fest.
Wadlinger kam zum Schießen, als in der zu Edesheim gehörenden Leonhard-Eckel-Siedlung im Jahr 1983 eine Mannschaft für die vom SV organisierten Dorfmeisterschaften gebildet wurde und man ihn fragte, ob er nicht mitmachen wolle. Sein Team holte dann sogar direkt den Titel. Beim Weihnachtsschießen im gleichen Jahr wurde er Erster Ritter, also zweitbester Schütze des Vereins. Diesen Titel durfte er aber nur als Vereinsmitglied tragen, also trat er in den SVE ein.
Als es aber darum ging, eine zweite Mannschaft des SVE für die Rundenwettkämpfe ins Rennen zu schicken, wurde er Teil des Luftgewehrteams.
„Ich habe auch keine Ahnung von Waffentechnik. Dafür gibt es im Verein andere Leute, die sich damit auskennen.“ Nachdem er schon Beisitzer in der Vorstandschaft und dann zwei Jahre lang Schützenmeister, also zweiter Vorsitzender, war, wählte man den damals 43-Jährigen im Jahr 1990 zum Nachfolger von Helmut Boos als Oberschützenmeister. Groß wurde er in der Leonhard-Eckel-Siedlung. „Die Bewohner der Siedlung wurden von den ‚echten‘ Edesheimern etwas mit Argwohn beäugt, da sie eher ärmer waren“, erinnert sich der 79-Jährige. „Deshalb fühlte ich mich in der Zeit, auch wegen der räumlichen Nähe, eher als Hainfelder denn als Edesheimer“, blickt er zurück. Der Neid der „Ur-Esemer“ lag dann sicher nicht zuletzt daran, dass sowohl der Sportplatz als auch das Schwimmbad in der Siedlung gebaut wurden. Heute versteht man sich aber sehr gut. Er spielte gerne bei der Sportgemeinde Edesheim Fußball. Nach der Hochzeit mit Maria Luise wohnten beide für fünf Jahre bei einer Tante seiner Frau in Roschbach, ehe sie sich im Edesheimer Rosengarten ein schmuckes Einfamilienhaus bauten. Leider musste er im November 2025, nach 51 Jahren Ehe, ganz überraschend für immer Abschied von seiner Frau nehmen.
Er ist gelernter Bauzeichner und kam nach der Ausbildung zum damaligen Finanzbauamt, welches sich heute Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) nennt. Er schloss seine Ausbildung zum Hochbauchtechniker ab und war in der Folge vor allem als Bauleiter für Um- und Neubauten zuständig, so auch an den Bundeswehrstandorten Bad Bergzabern und Germersheim. Damit war er prädestiniert, als Beisitzer in die Vorstandschaft des SVE gewählt zu werden.
Für den Umbau des vom Verein von der VR-Bank angemieteten Raiffeisenlagers zum Schützenhaus erstellte Wadlinger die notwendigen Pläne. Nach vielen Hindernissen und behördlichen Auflagen – beispielsweise musste ein 10.000 Euro teures Lärmschutzgutachten erstellt werden – konnte im Jahr 2000 das neue Domizil bezogen werden. Zuvor war der Verein in der Staatsstraße beheimatet.
In Wadlingers Ägide fielen der Bau der 25-Meter-Schießstandanlage im Keller des Schützenhauses sowie 2021 der Bau einer Laserstandanlage, auf der ohne echte Munition geschossen wird, was nicht zuletzt den Kindern zugutekommt. Eine Freiluftanlage gibt es hingegen bei der SVE nicht.
„Wenn unsere Mitglieder dem Schießsport im Freien nachgehen wollen, tun sie dies bei benachbarten Vereinen, was dank deren Unterstützung immer möglich ist“, lobt Wadlinger die gute Zusammenarbeit mit anderen Clubs.
Für ihn waren die seit 1964, also zwei Jahre nach der Gründung des SVE, alle zwei Jahre stattfindenden Freundschaftsschießen mit dem Schützenverein Oberstetten aus der Nähe von Biberach an der Riß immer Höhepunkte des Vereinslebens. Der damalige Vorsitzende des SVE, Hubert Kurz, stammte von dort und war Mitglied des dortigen Vereins. Bis heute hat sich diese Verbindung erhalten.
Karl Wadlinger freut sich rückblickend, dass alle notwendigen Entscheidungen, wenn auch nicht immer einstimmig, so doch stets ohne Probleme getroffen wurden. Dafür ist er den Vorstands- und Ausschussmitgliedern sehr dankbar. „Wir haben über alles abgestimmt, sei es über den Kauf einer Kaffeemaschine von 20 Euro oder den Ankauf des Raiffeisengebäudes für 120.000 Euro. Die Kollegen haben es mir immer leicht gemacht. Sie machten die Arbeit, ich kümmerte mich um die weniger angenehmen Dinge wie Behördengänge und Gerichtstermine.“
Ganz will man beim SVE nicht auf seine Dienste verzichten. So hat man ihn gebeten, die Grüße des Vereins anlässlich von runden Geburtstagen oder ähnlichen Ereignissen weiterhin zu überbringen. „Das habe ich immer sehr gerne gemacht, aber nicht wegen des Essens oder des Trinkens, sondern weil man an solchen Tagen immer wieder Neues erfahren hat, weil ja auch andere Vereinsvertreter vor Ort waren.“
Auf Ehrungen legt er keinen großen Wert, freut sich aber, dass er wohl beim diesjährigen Verbandstag des Pfälzer Sportschützenbundes mit dessen goldener Ehrennadel ausgezeichnet werden soll.
Text: H.Lampert
